"thehost.is" in black lettering on a grey background with shaded geometric shapes..
© Liebermann Kiepe Reddemann
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Press release

Kampnagel und Deichtorhallen Hamburg starten gemeinsames digitales Residenzprogramm TheHost.Is

Im März 2022 startet Kampnagel in Kooperation mit den Deichtorhallen Hamburg das digitale Residenzprogramm THEHOST.IS. Damit erweitern beide Institutionen ihr künstlerisches Programm in den digitalen Raum: Bis Ende des Jahres 2023 sind insgesamt fünf thematische Schwerpunkte (»Seasons«) geplant, die jeweils drei internationale Resident*innen einladen, diskursiv-experimentell an der Schnittstelle zwischen Kunst und Digitalisierung an eigenen Projekten zu forschen – sowohl digital als auch vor Ort. Die Residenzen bilden ein experimentelles Spielfeld zur Entwicklung neuer (digitaler) Ansätze künstlerischer Produktion und der Wissensvermittlung. Geleitet und thematisch geprägt wird jedes dreimonatige Programm von einer*einem internationalen Künstler*in oder Kurator*in, die*der als Host von den Häusern berufen wird.

Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: »Mit diesem spannenden Projekt kooperieren zwei Institutionen der Kulturstadt Hamburg, die schon lange ästhetische Innovationen grenzüberschreitend denken. Das Residenzprogramm THEHOST.IS greift die Digitalisierung unserer Gesellschaft auf und zeigt wie künstlerische Positionen die digitalen Entwicklungen im besten Sinne kritisch begleiten und die Vielstimmigkeit von Kultur stärken können. Diese Kooperation von Deichtorhallen Hamburg und Kampnagel ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus der Vielfalt der Kultur in Hamburg Neues entsteht und kann als Anregung für neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des Austauschs zwischen den Kulturstätten verstanden werden.«

Dirk Luckow, Intendant Deichtorhallen Hamburg: »THEHOST.IS ermöglicht den Deichtorhallen Hamburg und Kampnagel mit dem Potential digitaler künstlerischer Ideen zu experimentieren und neue Möglichkeiten der Vernetzung auszuprobieren. Ich sehe darin auch eine große Chance, Vorurteile und Missverständnisse gegenüber digitaler künstlerischer Produktion auszuräumen und das Netz als Raum für neue Diskurse und Inspirationen zu begreifen, die jenseits unseres tradierten Ausstellungsbegriffs liegen.«

Amelie Deuflhard, Intendanin Kampnagel: »Kunst hat die Aufgabe, gesellschaftliche Phänomene und Entwicklungen zu hinterfragen und im vorpolitischen Raum zu verhandeln. Das Residenzprogramm THEHOST.IS schafft wertvolle Vernetzung und Empowerment für Künstler*innen, die an der Schnittstelle zu Technologie und Digitalität arbeiten, marginalisierte Perspektiven repräsentieren und sich kritisch mit bestehenden Machtstrukturen auseinandersetzen.«

Die Themen der Seasons setzen sich mit der kritischen Hinterfragung hegemonialer Ordnungen im Code, mit dekolonialen Strategien, digitalem Widerstand, Selbstermächtigung und der Demokratisierung digitaler Systeme sowie mit queerfeministischen Utopien auseinander – gespiegelt in künstlerischen Praktiken.

Die Residenzen werden von einem Programm begleitet, das mit verschiedenen Veranstaltungen und Formaten Akteur*innen der Hamburger und internationalen Kunst- und Tech-Szenen lokal und online miteinander vernetzen möchte. Begleitend bieten Kampnagel und die Deichtorhallen Hamburg verschiedene wiederkehrende Vermittlungs- und Vernetzungsangebote, Inputs und Workshops an, die an das Thema der Season und die Arbeit der Resident*innen anknüpfen werden.

Alle künstlerischen Projekte und das begleitende Programm können ab 1. März 2022 unter auf der Website https://thehost.is verfolgt werden. THEHOST.IS entsteht im Rahmen des Verbundprojekts »Diversify the Code«, das im Programm Kultur Digital der Kulturstiftung des Bundes gefördert wird.

THEHOST.IS/DARSHAHEWITT

HOW TO BEAM: DO-IT-YOURSELF-TELEPORTATION IN HYBRID TIMES

15. März – 15. Juni 2022

#thehostisdarshahewitt

THEHOST.IS eröffnet März 2022 mit HOW TO BEAM: DO-IT-YOURSELF-TELEPORTATION IN HYBRID TIMES, gehostet von der in Deutschland lebenden kanadischen Medienkünstlerin Darsha Hewitt (*1982). Hewitt zeichnet sich durch ihre besondere Affinität zu Technologien im Do-it-yourself-Stil aus. Ihre raffinierte Manipulation von Apparaten und deren elektrischen Schaltkreise bezeichnet sie als »critical-hacking«. Hewitt setzt den Geist früherer Medienpionier*innen fort und erweitert deren Erfindungsreichtum mit Experimenten und Alltagshacks. Auch medienarchäologisch trägt ihre Arbeit dazu bei, die Entwicklungsgeschichte von Technologie neu aufzurollen.

HOW TO BEAM wird sich damit befassen, wie sich das Konzept der »Präsenz« in Zeiten der digitalen Medien gewandelt hat. Hewitt hinterfragt dabei die vor allem im Zuge der Pandemie entstandene gesellschaftliche Akzeptanz einer körperlosen digitalen Version von sich selbst als legitime Art, sich in der Gesellschaft zu präsentieren. Dabei kombinieren die von Hewitt ausgesuchten Residenzkünstler*innen Nadja Buttendorf, Dasha Ilina und Olsen in ihren Projekten und Workshops neue Technologien und Low-Tech-Strategien, um das Konzept der Teleportation, der Möglichkeit von einem Ort zum anderen zu gelangen, ohne den Raum dazwischen zu durchqueren, als einen Weg zur Rückgewinnung und Neuerfindung von Individualität, Autonomie und menschlichen Verbindungen in unserer sich rasch hybridisierenden Welt zu erforschen.

Nadja Buttendorf (*1984, DE) beschäftigt sich in ihrem Projekt »Body Presents, or do you mean body presets?« mit aufgezeichneten Körperbewegungen durch Motion Capture. Im Gegensatz zum üblichen Einsatz des Motion Capture-Verfahrens, das vor allem normierte Körperbewegungen effektvoll reproduzieren soll, wird sich Buttendorf auf minimale, alltägliche Bewegungen in einer virtuellen 3D-Umgebung fokussieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwiefern digitale Körper in einer virtuellen Welt anders gestaltet werden können.

Dasha Ilina (*1996, RU/FR) reflektiert in »Be? Here? Now?« zwei Seiten der Digitalisierung: den totalen technologischen Entzug und die affirmative Techniknaivität, mit der wir uns ständig auf Innovationen einzulassen. In ihrem Projekt kommen Meditations- und Entspannungstechniken zum Einsatz, um darüber zu diskutieren, was es tatsächlich bedeutet, mit jemandem intim oder verbunden zu sein, und worin die wesentlichen Unterschiede zwischen Online- und persönlichen Interaktionen bestehen.

Olsen (*1975, DE) legt mit »Per Teleport zur Immortalität – Technologien um der Endgültigkeit des Lebens entgegenzuwirken« einen besonderen Fokus auf die Unsterblichkeitsfantasien des Silicon Valley und das damit einhergehende Mensch-Maschine-Verhältnis, dessen Ziel es ist, die computergesteuerte Evolution über den Tod hinaus unendlich zu erweitern. In Wolfs künstlerischer Auseinandersetzung spielen Technikprophetie und Datenreligion eine zentrale Rolle: Wie lässt sich menschliches Erleben in Speichermedien abbilden und für immer aufbewahren? Wie lebt es sich in der Unsterblichkeit?

DIGITALE PRESSEKONFERENZ

Dienstag, 1. März 2022, ab 11 Uhr

Mit Darsha Hewitt und den Künstler*innen Nadja Buttendorf, Dasha Ilina und Olsen.

Grußworte von Amelie Deuflhard (Intendantin Kampnagel), Dirk Luckow (Intendant Deichtorhallen Hamburg) und Julia Mai (Kultur Digital, Kulturstiftung des Bundes).

Die Pressekonferenz findet über das Networking-Tool Wonder statt. Sie können den Raum ab 10.30 Uhr unter bit.ly/PressekonferenzTHEHOSTIS betreten. Gerne nehmen wir Ihre Interviewanfragen vorab entgegen.

ERÖFFNUNGSPANEL: DIVERSIFY THE CODE!

Donnerstag, 24. März 2022, 19 Uhr im PHOXXI. Haus der Photographie temporär und im Live-Stream auf thehost.is. Eintritt frei.

Auf dem Eröffnungspanel des Residenzprogramms THEHOST.IS diskutieren Expert*innen für Kunst und Digitalität über Perspektivenvielfalt im Code. Mit Tiara Roxanne (Künstlerin, Wissenschaftlerin und Cyberfeministin), R. Buse Çetin (Forscherin und Beraterin für KI-Politik und -ethik) und Darsha Hewitt (Medien- und Soundkünstlerin). Moderation: Liat Grayver (Medienkünstlerin). Begrüßung durch Dirk Luckow, Intendant Deichtorhallen Hamburg.