Festival

Fokus Tanz #9: No Go

Im Jahrhundert der globalen Migration, in dem aktuell ca. 1,5 Milliarden Menschen in Bewegung sind, nutzt FOKUS TANZ #9 im März choreografische Mittel, um Normen rund um Mobilität zu hinterfragen. Die Sozialwissenschaftlerin Mimi Sheller konstatiert eine grundsätzliche Krise der Mobilität, die vor allem von Macht und Ungerechtigkeit in Bezug auf die Kontrolle allgemeiner Bewegungsströme geprägt ist. Der FOKUS TANZ #9 wendet sich systematischer Ungerechtigkeit zu, die ausgehend von einer privilegierten Position Mobilität definiert, bewertet und zu- oder abspricht. Die eingeladenen Künstler*innen des Festivals fragen aus multiplen Perspektiven: Wie setzt sich ein Körper in Bewegung, wenn die Beziehung zwischen dem Körper und seiner Umgebung als ein grundsätzlich prekäres, verletzliches Verhältnis erscheint? In ihrem ersten Gastspiel auf Kampnagel begibt sich die portugiesische Choreografin und Tänzerin Diana Niepce in eine virtuose Neudefinition der Mobilität des eigenen Körpers: »Ich hörte auf, mich selbst im Körper anderer zu suchen und fand mich so mit anderen zusammen«. Saïdo Lehlouh, Teil des Collectif FAIR-E aus Rennes, choreografiert für Kampnagel INSIGHT, eine lokale Adaptation aus Erzählungen marginalisierter Tanzsprachen, die in ihrem Vokabular unendliche Schichten und Geschichten von Bewegung tragen. Logisch, dass wir beim Thema Mobilität und Tanz an die eigene körperliche Betätigung denken. Deswegen laden die partizipativen Trainings- und Installationsprojekte »The Gym« und »Beyond Reproduction« dazu ein, Körper und Gedanken in Fluss zu bringen. In Vorträgen werden außerdem Fragen um die Zusammenhänge von Mobilität und Architektur sowie den Einfluss von Mobilität auf ästhetische Praxen diskutiert.