Menschen vor dem Kampnagel-Hauptgebäude, an dessen Fassade ein großes schwarzes k in eckigen Klammern auf gelbem Hintergrund sowie ein paar blutunterlaufende Emoji-Augen hängen.
© Sinje Hasheider
Menschen vor dem Kampnagel-Hauptgebäude, an dessen Fassade ein großes schwarzes k in eckigen Klammern auf gelbem Hintergrund sowie ein paar blutunterlaufende Emoji-Augen hängen.

Schöne Übersicht

Das Kampnagelprogramm neu entdecken

Liebes Publikum,

wir schlagen die Zeitung auf, scrollen durch die digitale Ausgabe – und sind konfrontiert mit bizarren Zusammenstellungen von Informationen. Neue Frisurentrends neben Kriegsnachrichten, eine Abhandlung über die iranische Revolution folgt auf die Meldung eines rassistischen Angriffs in unserer Stadt. Veruntreute Gelder neben voyeuristischer Armutsfotografie. Klimawandel und Kaschmirpullover. Neues Jahr, neues Glück? All das, liebes Publikum, ist nicht neu, auch unsere zynische Brille nicht – es ist die Realität, mit der wir dealen. Die Gegenwart als zirkuläre Performance, im zunehmenden Tempo und glanzvoller Ernüchterung. Als Produktionshaus greifen wir all dies auf und haben für die nächste Runde in der Achterbahn des Jahres ein gebührendes Programm kuratiert: Als nachgelagertes Gegengewicht zur WM in Katar enthält der Januar eine intensive queere Phase. Teil davon ist das Tanzstück THE POST-QUEER DILEMMA von Guy Marsan, ein choreografischer Gegenentwurf zur Heteronormativität des Tanzes. Silvia Calderoni & Ilenia Caleo beschäftigen sich in THE PRESENT IS NOT ENOUGH mit Begehren ohne Regeln als verborgene Praxis im öffentlichen Raum – Cruising – in den 1970ern und heute. Auch kehrt die »Extreme Drag Wrestling«-Show CHOKE HOLE nach Hamburg zurück, diesmal mit dem Workshop-Format BOOB : CAMP, das in einer Party und Showkämpfen der CHOKE HOLE-Profis kulminiert. Im Februar gibt es ein erhebliches Nachbeben in der DAN DAW SHOW: Der Ausnahmekünstler und Vorreiter im Diskurs um Tanz und Behinderung erobert sich seine Macht im selbstbestimmten Dominiert-Werden zurück. Parallel dazu präsentieren Sasha Waltz & Guests IN C: Zwischen schriftlicher Notation, Musik und Choreografie folgt die Gruppe der revolutionären Komposition von Terry Riley. Darin werden die Möglichkeiten der flexiblen künstlerischen Produktion in Zeiten der Pandemie ausgelotet, die Materialitäten der Choreografie ebenso. Nicht zuletzt deswegen ist das Stück Teil der Konferenz MATERIAL GOODS, einer Kooperation mit der Universität Hamburg. Zentrales Thema ist das Dingliche der flüchtigen Kunst: Welches Material wird wie in Proben erzeugt, wie wird es genutzt, wie wird der künstlerische Prozess dokumentiert und archiviert? Apropos Archiv: In unserem Kreisen um Erinnerungspolitik und die Kritik daran freuen wir uns sehr auf Max Czolleks Besuch, der aus seiner neuen Veröffentlichung VERSÖHNUNGSTHEATER lesen wird. In diesem Sinne: Ich wünsche Ihnen viel Schwung und gute Nerven für diese nächste Runde!

Bis bald,
Ihre Amelie Deuflhard

Januar & Februar auf Kampnagel

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