This is not Coverstory?
»… weil es nichts gibt, das von Dauer ist, in dieser Welt«
Für die letzte Spielzeit vor der Sanierung, die unter dem Claim »Legends of the Avantgarde« die Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft sucht, haben wir die Wiener Performancegruppe God’s Entertainment beauftragt, die Programmheftcover-Serie zu gestalten. Die Künstler*innen von God’s Entertainment sind seit 2007 eng mit Kampnagel verbunden; ihre Perspektive auf die künstlerische und politische Geschichte und Vision des Hauses vereint Insider-Blick ebenso wie Beobachtung aus weiterer Entfernung. Im Kampnagel-Programm sind sie (bzw. ihr »Support-Act« Super Nase & CO) regelmäßig vertreten – u.a. mit Werken ihrer legendären »This is not?«-Reihe, die sich – frei nach Magritte – mit der Überschreibung, Neuinterpretation oder Verbesserung von Werken der einen oder anderen »Avantgarde« beschäftigt. Oder – wie die Künstler*innen selbst schreiben: »Die Doublegenger of the Arts produzieren das Uneindeutige und Irrationale, denn wo es keine Fälschung gibt, kann es auch kein Original geben. Sie kennen weder Hindernisse noch Grenzen, weil es nichts gibt, das von Dauer ist, in dieser Welt.«
September / Oktober 2025
Support Act of God’s Entertainment
Super Nase & Co: THIS IS NOT YOKO ONO?
1.
Im Auftrag von God’s Entertainment aktiviert das künstlerische Sondereinsatzkommando Super Nase & Co mit ihrer Serie This is not…? die Selbstbestimmung im Nahkampf mit der Wirklichkeit. Vermeintliche ästhetische und künstlerische Ansprüche werden dabei fröhlich ignoriert, geht es doch vielmehr darum herauszufinden, wie Begegnungen mit Kunstwerken eine solche Kraft entwickeln, dass sich durch sie neuen Formen der Gemeinschaft erfahren lassen.
Bei Super Nase & Co wird das Erkennen zum Akt, der das, was erkannt wird, zugleich verwandelt. Das betrachtende Auge subjektiviert den Gegenstand des Betrachtens, denn mit »Not?« lässt sich unterscheiden, was mit den Augen der Wirklichkeit gesehen wird und was mit den Augen der Imagination zu sehen ist.
2.
Die Performance This is not Yoko Ono? nimmt Bezug auf Yoko Onos ikonisches Werk Cut Piece und verfolgt ein ähnliches Ziel: Das Publikum wird nicht bloß zum Beobachter*innen, sondern aktiv in das Geschehen eingebunden. Die Interaktion zwischen Künstler*innen und Zuschauer*innen findet auf einer intimen Ebene statt – es geht nicht mehr darum, ein abgeschlossenes Kunstwerk zu präsentieren, sondern um einen offenen Prozess, in dem das Publikum eingeladen ist, Einfluss auf die Performance zu nehmen.
Wie einst bei Yoko Ono wurde auch This is not Yoko Ono? als Protest gegen den Krieg interpretiert – damals gegen den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima, heute gegen die Bombardierung des Gazastreifens. Die symbolische Handlung des Zerschneidens verhandelt Bilder der Zerstörung nach einem Bombenangriff…
November / Dezember 2025
Support Act of God’s Entertainment
Super Nase & Co: This is not Avantgarde?
Deutschland im Röntgenblick: Eine schwere Brüchigestimmung durchzieht das Land.
Es sind komplizierte Frakturen – von rechts – Splitterbrüche, die tief ins Mark greifen
und das demokratische Skelett ins Wanken bringen und zu Instabilität des Gesamtapparats führen.
Zu den häufigsten Pathologien zählt noch immer der Ellenha(c)kenbruch rechts, eine Verletzung, die mit der völligen Verrenkung der demokratischen, sonst so freien, Beweglichkeit einhergeht. Erstmals 1949 notoperiert von einem gewissen Dr. Konrad Adenauer, der versuchte, mit Platten, Schrauben und Zement das fragile deutsche zu stabilisieren.
Und heute? Die Brüche sind zahlreicher, diffuser, ihr Röntgenbild verschwommen, trotz moderner Technik, oder gerade deshalb? Es ist gerade diese Unschärfe die es so verführerisch und gleichzeitig so bedrohlich macht.
Und während sich die Dinge katastrophal und rapide ändern, einige Widersprüche liegen bereits auf der rechten Hand - es besteht ein symbiotisches Verhältnis zwischen gefährlicher rechter Politik und ihrer abstumpfenden Repräsentation in der Politik und Kunst. Als politisches Instrument wird in Deutschland gerne auf Resolutionen zurückgegriffen, um ein autoritäres Umbau der deutschen Gesellschaft voranzutreiben, welches gleichzeitig als gutes Anliegen camoufliert wird.
Es sind schlechte Zeiten für das Völkerrecht, Demonstrations- und Versammlungsrecht. Die Wissenschafts- und Kunstfreiheit, sowie andere Grundrechte haben längst keinen Vorrang und alle diese demokratischen Bastionen werden geschleift und gebrochen, ohne das die AFD oder der altbekannte Stiefelträger irgendwo mitgestimmt hätten.
Künstlerschweine, Künstlerschweine, ja, die Politik, die Mitte, sie brechen euch die Arme!