

JAHRESABSCHLUSS MIT PLÄDOYER FÜR BARRIEREFREIE KUNSTPRAXIS
Dan Daws kraftvolle Reise zu Selbstwert und Empowerment
Vom 11. bis 13. Dezember zeigt Kampnagel mit EXXY das neue Stück des queeren, behinderten Choreografen und Tänzers Dan Daw. In dem Stück erzählt Daw von Selbstwert, Zugehörigkeit und Empowerment. Nach der 2023 vom Kampnagel-Publikum gefeierten THE DAN DAW SHOW entstand nun – ermöglicht durch das bundesweite Programm für inklusive Kunstpraxis (pik) sowie zahlreiche internationale Koproduzent*innen – das erste Werk des Choreografen für die große Bühne. Mit dem Ende des pik-Förderprogramms geht ein deutliches Plädoyer für nachhaltige Strukturen einher.
Empowerment auf der Bühne
Der Titel EXXY ist australischer Slang für »expensive«. Daw verknüpft darin den Leistungsdruck des weltweit tourenden Choreografen mit Fragen über Selbstwert und Community – und findet zu dem Mut, kompromisslos er selbst zu sein. Nach der erfolgreichen Tournee seines letzten Stücks führt er nun das Publikum zurück in die Vergangenheit – lässt teilhaben an seinen biografischen Wurzeln im von der Arbeiterklasse geprägten australischen Outback, an dem er und seine Großmutter immer mit wenig auskommen mussten. Gemeinsam mit drei Performer*innen, die gehen und sprechen wie er, verhandelt Daw den Moment, an dem er nicht mehr heraussticht, sondern aufgehen darf – in einem Wir, das Stärke ermöglicht.
Plädoyer für nachhaltige Förderung
EXXY gehört zu einem Themenschwerpunkt auf Kampnagel, der Mitte Dezember den Abschluss des bundesweiten Programms für inklusive Kunstpraxis (pik) markiert. Vom 11. bis 13. Dezember werden zwei internationale Kampnagel-Koproduktionen zum ersten Mal in Deutschland präsentiert, zusammen mit einem Konzert, einer Party und zwei Community-Projekten. Ein Großteil des Programms wurde durch pik ermöglicht. Pik ist eine Förderung der Kulturstiftung des Bundes. Das Programm zielt auf die Verbesserung der Arbeitssituation von Künstler*innen mit Behinderung ab. Kulturinstitutionen sollen darin bestärkt und weiter befähigt werden, barrierearme Arbeitsstrukturen zu bilden und die Arbeit behinderter Künstler*innen zu fördern und zu präsentieren. Das Programm soll künstlerische Innovation ermöglichen und bestehende Nachteile für behinderte Künstler*innen ausgleichen. Mit dem Programmende verbindet sich ein dringender Appell: Barrierefreiheit in der Kultur braucht Zeit, Vertrauen und kontinuierliche Förderung. Dass dieses Förderprogramm nun ausläuft, ist schmerzhaft – zugleich soll seine Abschlussphase die Arbeit zahlreicher behinderter Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen auf Kampnagel würdigen und daran erinnern, dass barrierefreies Arbeiten langfristige Perspektiven benötigt, um Strukturen dauerhaft zu verankern. Zu diesen Themen bieten wir Interviews für interessierte Pressevertreter*innen mit Beteiligten an (Infos unten).
Gelder für freie Szene zahlreich gestrichen
Die Einstellung der pik-Förderung nach nur drei Jahren ist für die Szene sehr einschneidend und steht im Zusammenhang mit weiteren Förderwegfälle auf Bundesebene, wie z.B. der Streichung der Gelder für das Bündnis Internationaler Produktionshäuser. Gerade in der Freien Szene werden von behinderte Künstler*innen und ihren Verbündeten seit vielen Jahren nicht nur politische und wissenschaftliche Diskurse geformt, sondern auch prägende Ästhetiken der Barrierefreiheit geschaffen. Es ist unerlässlich, ihre Arbeit strukturell und langfristig zu fördern. Die Erreichung des Rechts auf kulturelle Teilhabe (UN-Behindertenrechtskonvention) hängt auch davon ab, dass behinderte Kulturarbeiter*innen - auch in künstlerischen Leitungspositionen - barrierearm ihre Arbeit machen können. Eine Fortführung des pik-Programms durch die Kulturstiftung des Bundes wäre ein Schritt in diese Richtung gewesen. Aber auch an anderen Stellen werden gerade inklusive und diversitätssensible Arbeitsweisen durch Kürzungen erschwert.
Dreitägiger Themenschwerpunkt
Neben EXXY wird die EBA-Koproduktion LAYERS von Katarzyna Żeglicka und Alicja Czyczel gezeigt – am 12. und 13. Dezember mit Audiodeskription und am 13. zusätzlich in Deutscher Gebärdensprache. Das von Sarah Fartuun Heinze und Alina Buchberger kuratierte BIPOC DISABLED ARTISTS LAB öffnet zu Beginn des Wochenendes seine Türen. Am 12. Dezember präsentiert Jjjjjerome Ellis das neue Album VESPER SPARROW, das Gesang, Poesie und Schwarze Improvisation verbindet. Am 13. Dezember beschließt die fünfte Ausgabe der MESSY – QUEER CRIP KINK PARTY das Wochenende mit einer Deaf Performance und einem Line-Up behinderter DJs. Über alle drei Tage lädt die Gruppe Crip Art Now! in den barrierefreien Raum WE CAN! CHILL 2.0 ein – einen Ort zum Ausruhen und Vernetzen.
Kooperation mit Dan Daw Creative Projects: Kunst als Motor für institutionellen Wandel
Dan Daw gilt als Vordenker einer barrierefreien Tanzästhetik an der Schnittstelle von Queerness und Behinderung, von Tanz und Theater. In seiner dreijährigen Zusammenarbeit mit Kampnagel brachte Dan Daw Creative Projects umfassende Erfahrungen zu Disabled Leadership, Zugänglichkeit und Care-basierten Arbeitsweisen ein, um Wissen in Hamburg zu teilen und zu verankern. Umgekehrt bot Kampnagel dem in Großbritannien arbeitenden Kollektiv Einblicke in institutionelle Praxis, kuratorischen Austausch sowie Zugang zu lokalen und bundesweiten Netzwerken. Gemeinsam arbeiten sie an einem Modellprojekt, das neue Formen institutioneller Selbstreflexion und künstlerischer Kollaboration entwickelt. Die Kunst dient dabei als Impulsgeberin für strukturellen Wandel hin zu mehr Barrierefreiheit.
Interviewmöglichkeiten
Im Rahmen des Themenschwerpunkts bieten wir verstärkt Interviewtermine für Medienvertreter*innen an mit:
- Alina Buchberger – Dramaturg*in bei Kampnagel und verantwortlich für die Kooperation mit dem Dan Daw Creative Project
- Amelie Deuflhard – Intendantin, verantwortlich für die strukturelle Verankerung von Barrierefreiheit auf Kampnagel.
Pressefotos stehen hier zum Download bereit.
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