Mehrere männlich gelesene Personen stehen nebeneinander und tragen verzierte Cowboyhüte und enge Oberteile mit Leopardenmuster, Westen oder Blazer mit Pailletten. Im Hintergrund ist ein Bass zu sehen.
© Clara Wildberger
Mehrere männlich gelesene Personen stehen nebeneinander und tragen verzierte Cowboyhüte und enge Oberteile mit Leopardenmuster, Westen oder Blazer mit Pailletten. Im Hintergrund ist ein Bass zu sehen.
Pressemitteilung

VOGUING TRIFFT OPERETTE

Kampnagel eröffnet die neue Spielzeit mit Trajal Harrell und La Fleur

Kampnagel eröffnet die Spielzeit 2025/2026 mit einem künstlerisch vielstimmigen Auftakt: Vom 25. bis 27. September sind mit THE ROMEO von Trajal Harrell und DAS PHANTOM DER OPERETTE von La Fleur zwei Produktionen zu erleben, die auf sehr unterschiedliche Weise an klassische Werke anknüpfen – Harrell über Shakespeares »Romeo und Julia«, La Fleur über die Wiener Operette – und sie aus queerer, postkolonialer Perspektive überschreiben. Damit verbindet die beiden Abende eine künstlerische Praxis, die Kanonisches befragt, neu deutet und in überraschender Aktualität erlebbar macht.

Einer der einflussreichsten Choreografen seiner Generation Trajal Harrell zählt zu den international bedeutendsten Choreografen der Gegenwart. Mit seiner einzigartigen Verbindung von postmodernem Tanz, Mode, Theater und Voguing hat er ein völlig eigenes choreografisches Vokabular entwickelt, das weltweit gefeiert wird. Harrells Arbeiten wurden u. a. mit dem Silbernen Löwen der Biennale Danza ausgezeichnet, ihm wurden Retrospektiven auf dem Festival d’Automne in Paris gewidmet, und bis 2024 war er Hausregisseur am Schauspielhaus Zürich. Mit THE ROMEO zeigt er nun auf Kampnagel ein Werk, das bereits bei seiner Premiere im ehrwürdigen Cour d’Honneur des Palais des Papes beim Festival d’Avignon für Furore sorgte.

Zwölf Tänzer*innen des Zürich Dance Ensemble entfalten darin einen »imaginären Tanz«, der über Zeiten und Orte hinweg existiert haben könnte – inspiriert von Shakespeares Romeo, der in seiner Liebe den Tod zu überwinden versucht. Harrell verschränkt historische Imagination mit zeitgenössischer Dringlichkeit und entwickelt daraus eine hybride Tanzsprache, in der sich Voguing nicht als Pose, sondern als emotionale und politische Geste zeigt. In THE ROMEO wird Tanz zu einem utopischen Raum, in dem Intimität, Gemeinschaft und Widerstand gleichermaßen spürbar werden. Ergänzt wird die Hamburger Aufführung durch ein Publikumsgespräch mit Trajal Harrell am 26. September im Anschluss an die Vorstellung.

Tanztheater zwischen Operette und Postkolonialismus
Parallel dazu präsentiert das deutsch-ivorische Kollektiv La Fleur, das bereits mehrfach auf Kampnagel zu Gast war, seine neue Produktion DAS PHANTOM DER OPERETTE. La Fleur wurde 2016 von der Regisseurin Monika Gintersdorfer gemeinsam mit dem Choreografen Franck Edmond Yao und einer internationalen Künstler*innengruppe gegründet. Gintersdorfer war zuvor gemeinsam mit Knut Klaßen unter dem Namen Gintersdorfer/Klaßen erfolgreich, bekannt für ihre radikal kollaborativen Arbeitsweisen zwischen Europa und Westafrika. Nun führt sie ihre Arbeit gemeinsam mit einem transkontinentalen Kollektiv bedeutender Künstler*innen der Elfenbeinküste – darunter die Tänzerin Annick Choco, ein Star in Abidjan und prägende Stimme von La Fleur – unter dem Namen La Fleur weiter. Seit seiner Gründung entwickelt das Kollektiv Tanz- und Theaterperformances, die europäische Literaturklassiker in den Fokus stellen und sie mit afrikanischen Tanzformen wie coupé-décalé, ndombolo und logobi verschränken.

Spiegel politischer Geschichte
DAS PHANTOM DER OPERETTE untersucht den historischen und gesellschaftspolitischen Kontext der Wiener Operette anhand des Lebens und Werks von Emmerich Kálmán, der als ungarischer Jude vor den Nationalsozialisten ins Exil fliehen musste. Auf der Bühne entsteht ein vielsprachiges Musiktheater, in dem Gesang, Tanz und Analyse ineinandergreifen, begleitet von einem Streichquintett. Mit Ironie und Energie verhandelt La Fleur die Frage, wie ein scheinbar leichtes Genre wie die Operette nach Krieg, Kolonialismus und politischen Umbrüchen neu gelesen werden kann und fordert uns heraus, Genregeschichte nicht nur zu erinnern, sondern sie kritisch zu hinterfragen – ihre Auslassungen, Brüche und Widerstände sichtbar zu machen.

Programmatischer Auftakt für die Saison
Mit diesen beiden Eröffnungsproduktionen setzt Kampnagel programmatisch ein Zeichen: Internationale Avantgarde trifft auf kollektive Theaterpraxis, Tanz auf Musiktheater, politische Reflexion auf künstlerische Radikalität. THE ROMEO und DAS PHANTOM DER OPERETTE eröffnen einen Spielzeitbogen, der von ästhetischer Vielfalt und gesellschaftlicher Relevanz geprägt sein wird.


TRAJAL HARRELL / ZÜRICH DANCE ENSEMBLE
THE ROMEO
25. – 27.09., 20:00, Ort: k6

LA FLEUR
DAS PHANTOM DER OPERETTE
25. – 27.09., 19:30, Ort: k2

Kontakt für Rückfragen und Akkreditierung

Eine Frau mit langen, rötlich-braunen Haaren und blau-grauen Augen blickt direkt in die Kamera und trägt einen blauen Pullover.