Ansicht 11173
© Miguel Ferraz
Ansicht 11173
© Miguel Ferraz
Theorie

Branko Šimić / Nikola Durić

3-Gänge Menü Deutschland

Tickets:

15 Euro (erm. 9 Euro, [k]-Karte 7,50 Euro)

Info

HIER finden Sie alle aktuellen Informationen und Corona-Regeln für Ihren Besuch. ​Diese Veranstaltung findet mit der 2G+ Regel statt: Zutritt nur für Menschen mit Nachweis einer Corona-Impfung oder -Genesung und tagesaktuellem, negativen Testergebnis (entfällt bei Nachweis der dritten Impfung / "Booster"). Es herrscht keine Maskenpflicht mehr während der Veranstaltung, aber in unserem Foyer und auf den Toiletten herrschen weiterhin FFP2-Maskenpflicht und Abstandsregeln. Wir verkaufen unsere Veranstaltungen weiterhin mit reduzierter Kapazität.

Vergangene Termine

Mittwoch

27.04.22

20:00 Uhr

ca. 90 Min.

Zum 10. KRASS-Geburtstag sind Zuschauer*innen, Freund*innen und Weggefährt*innen zu einem inszenierten deutsch-internationalen Gala-Dinner eingeladen. Es wird ein großer (Integrations)-Tisch aufgebaut, auf dem die Gäste eine kulinarische Deutschlandkarte mit vielen Spezialitäten erwartet – von Albanien bis Zypern. Menschen mit internationaler Erfahrung quer durch die deutsche Gesellschaft liefern über Interviews, Statements und Geschichten Impulse für die Tischgespräche: Künstler*innen und Intellektuelle, ehemalige Gastarbeiter*innen und Neugekommene. In drei Gängen werden ihre persönlichen Positionen gesammelt. Hier die Menüfolge des Abends: 1. Gang, Vorspeise: Was gefällt Dir an Deutschland? Was ist gut verdaulich? 2. Gang, Hauptspeise: Was läuft hier nicht richtig? Wovon kriegst Du Bauchschmerzen, Allergien und Durchfall? 3. Gang, Dessert: Wo soll es hingehen? Süß-sauer, zartbitter, Fisch oder Fleisch? Da die Prozesse des Ankommens auch mit Schmerzen verbunden sind, sind im Menü kleine Chilischoten versteckt, als »Minenfelder der Integration«. Zum Schluss erheben die Gäste ihre Gläser und sprechen einen Toast auf die Zukunft Deutschlands: Auf alles, was es ist und was hier noch fehlt.

Die Tisch-gäste

Gianni Jovanović - Autor, Roma Aktivist und Performer Dr in Rayhan Sahin aka Lady Bitch Ray - Rapperin und promovierte Linguistin Adnan Softić - Autor, Bildender Künstler, Filmemacher Janina Rudenska - Ukrainische Schauspielerin und Aktivistin Aladin El-Mafaalani - Soziologe und Autor Elisa Aseva - Kellnerin und Lyrikerin Michel Abdollahi - Moderator

Gianni Jovanović

Ein Mensch mit einer außergwöhnlichen Geschichte. Rom. Zwangsverheiratet. Geschieden. Vater. Opa. Schwul. Verheiratet. Das Leben von Gianni Jovanovic ist geprägt von Gewalt aber auch voller Hoffnung. Als Kind einer Roma-Familie und homosexueller Mann erlebt er offenen Rassismus und wird täglich mit Vorurteilen konfrontiert. Seit Jahren kämpft Gianni Jovanovic dagegen. Er gründete verschiedene Initiativen, hält Vorträge oder leitet Workshops und er geht sogar als Performer auf die Bühne. Im März 2022 erschien sein Buch »Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit«. Darin erzählt der 43-Jährige gemeinsam mit der Journalistin Oyindamola Alashe die Geschichte seiner Selbstermächtigung. Gleichzeitig entwirft er die Vision einer diversen, antirassistischen Gesellschaft.

Dr.in Reyhan Şahin aka Lady Bitch Ray

Rapperin und promovierte Linguistin - sie verbindet persönliche Erfahrungen mit knallharter feministischer Theorie. Şahin studierte Linguistik und Germanistik an der Universität Bremen und schloss ihr Studium 2005 mit dem Magister im Fach Linguistik ab. Magisterarbeit: Jugendsprache anhand der Darstellung der Jugendkultur Hip-Hop 2012 mit der Arbeit »Die Bedeutung des muslimischen Kopftuchs in Deutschland« promoviert.

Janina Rudenska Schauspielerin und Aktivistin, lebt in Berlin. Rudenska, die polnische und russische jüdische Vorfahren hat, verbrachte ihre Kindheit in Kyiv. 1995 emigrierte ihre Familie nach Deutschland. Im Alter von 16 Jahren zog sie von zu Hause aus und blieb in Hamburg, während ihre Familie Deutschland zum Teil wieder verließ. 2004 begann sie ihr Schauspielstudium an der Universität der Künste in Berlin. Theaterengagements u. a. am HAU, sowie am Berliner Renaissance-Theatery, Berliner Ensemble; Film- und Fernseharbeiten: 2009 mit der Berliner Regisseurin Katharina Wyss für den ausschließlich auf Improvisationen basierenden Film »1000 Meilen von Taschkent« Zuletzt war sie in Dominik Grafs Fernsehserie »Im Angesicht des Verbrechens.« zu sehen.

Adnan Softić

(geboren 1975 in Sarajevo, lebt in Berlin) studierte von 1999 bis 2004 Film und Ästhetische Theorie an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, wo er auch als Professor für Film (2012) und für Zeitbezogene Medien (2014 bis 2015) lehrte. In seiner interdisziplinären Arbeit thematisiert er die Politik des historischen Gedenkens und untersucht die Beziehung zwischen Architektur und Gewalt, Erzählung und Exil. Ebenso setzt er sich mit Exterritorialität, Unsichtbarkeit und postkolonialer Kritik auseinander. Seinen künstlerischen Ansatz beschreibt er als »posttraumatische Unterhaltung«, die darauf abzielt, unvereinbare Perspektiven zusammenzuführen. Softić war von 2016 bis 2017 Stipendiat der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo und erhielt 2020 ein Arbeitsstipendium der Kulturverwaltung des Berliner Senats. Für seinen Film »Bigger than Life« wurde er 2018 mit dem Hauptpreis des internationalen Wettbewerbs im Rahmen der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur und mit dem 3sat-Preis bei den 64. Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen ausgezeichnet. Softićs Arbeiten wurden unter anderem an folgenden Orten ausgestellt: Johann Jacobs Museum, Zürich/CH (2019); Elbphilharmonie, Hamburg/DE (2019); Collegium Artisticum, Sarajevo/BA (2019); MAXXI Museum, Rom/IT (2018/2019); Berlinische Galerie, Berlin/DE (2018).

Aladin El Mafalani

ist Soziologe und Inhaber des Lehrstuhls für Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Universität Osnabrück. Er ist dort sowohl am Institut für Erziehungswissenschaft als auch am Institut für Migrationsforschung und interkulturelle Studien (IMIS) angesiedelt. Gleichzeitig betreut er als Beauftragter des NRW Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (MKFFI) die »Koordinierungsstelle für muslimisches Engagement in NRW« und ist Mitglied des Beirats für Teilhabe und Integration des Landes NRW. Zuvor koordinierte er als Abteilungsleiter im MKFFI die Integrationspolitik des Landes NRW, davor war er Professor für Politikwissenschaft und politische Soziologie an der Fachhochschule Münster und Lehrer am Berufskolleg in Ahlen in Westfalen. Aladin El-Mafaalani ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher und Artikel. Er ist einer der Herausgeber der Zeitschrift für Migrationsforschung. Seine Forschungsarbeiten sind mehrfach ausgezeichnet worden. Die bei Kiepenheuer und Witsch erschienenen Bücher »Das Integrationsparadox« (2018) und »Mythos Bildung« (2020) und waren auf den Bestseller- und Bestenlisten. »Wozu Rassismus?« von 2021 ist sein insgesamt zehntes Buch.

Elisa Aseva

ist Barfrau und Lyrikerin, lebt bürgerlich und prekär. Geboren wurde sie auf der Flucht ihrer Mutter von Äthiopien nach Deutschland. Ihr Vater, einst wohlhabend, in der äthiopischen Diktatur enteignet und verfolgt. Heute ist Elisa Aseva 41 Jahre alt und lebt mit ihrem 17-jährigen Sohn in Berlin. Bei Facebook veröffentlicht Elisa Aseva Lyrik, Prosaminiaturen und Politisches. Sie entstehen in Mittagspausen oder Feierabendsituationen und bleiben im Rohzustand. »Am liebsten wäre ich in ein wurzelloses, technikfreundliches kommunistisches Milieu hineingeboren worden, aber ohne allzu viel Streit.« Doch mittlerweile ist sie auch außerhalb des sozialen Netzwerkes bekannt. 2020 wurde sie unter anderem vom Internationalen Literaturfestival Berlin eingeladen. Als Autorin würde sie sich selbst dennoch nicht bezeichnen. Sie sieht ihre Texte als »Erschöpfungsabschürfungen einer ungelernten Arbeiterin«, da sie nur nachts zum Schreiben komme, erschöpft von der Lohnarbeit. Ihre Selbstbezeichnung »ungelernte Arbeiterin« ist keine Koketterie: »Ich habe schließlich keine Berufsausbildung.« Den Begriff habe ein Sachbearbeiter der Agentur für Arbeit für sie verwendet, als sie ein einziges Mal einen Antrag auf Unterstützung stellte. Ein Schlüsselerlebnis: »Mir wurde bewusst, dass ich den Aufstiegsauftrag, der in meiner Familie wie bei den meisten Mi­gran­t*in­nen klar da war, nicht erfüllt habe.« Aktuelles Buch: »Über Stunden«, Weissbooks Verlag

Michel Abdollahi

1981 in Teheran geboren, ist mit fünf Jahren nach Hamburg gekommen, begleitet nur von seiner Großmutter; er sollte Saddam Husseins Granaten entgehen. Die Eltern und die Schwester zogen erst ein Jahr später nach. Abdollahi ist ein Tausendsassa: erfrischender Moderator, charmanter Gastgeber diverser Fernseh-Shows und Podcasts, entlarvender Journalist, meinungsstarker Schriftsteller, kritischer Künstler. Doch vor allem ist er furchtlos. Auf Demonstrationen steht er in der ersten Reihe, ohne mit der Wimper zu zucken geht er auf Tuchfühlung mit Rassisten und Faschisten. Er zerlegt den Kunstmarkt genauso wie die German Angst, zieht Vergleiche heran, die sich die wenigsten trauen. Aktuell: sein Buch: »Deutschland schafft mich«, Hoffmann und Campe, 2020 und aus demselben Jahr sein Dokumentarfilm »Planet without Apes«.