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Ein schwarz-weiß Foto von einem weißen Mann mit kurzen Haaren in einem weißen Hemd. Der Hintergrund ist grau verschwommen. Neben dem Foto ist das Buchcover der Lesung eingeblendet.
© Lukas Lienhard
Ein schwarz-weiß Foto von einem weißen Mann mit kurzen Haaren in einem weißen Hemd. Der Hintergrund ist grau verschwommen. Neben dem Foto ist das Buchcover der Lesung eingeblendet.
© Lukas Lienhard

Diasporic Echoes im Avant-Garten

Lesung: Sasha Filipenko "Die Jagd" / Konzert: Böttcher Ensemble

Vergangene Termine

Freitag

12.08.22

18:30 Uhr

Waldbühne

Lesung: ca. 90 Min. / Konzert: ca 60 Min.

Ab 18:30 (Lesung auf Deutsch) »Mord ist nicht die einzige Art, auf Journalisten Druck auszuüben«, sagt Sasha Filipenko über seinen Roman »Die Jagd« (Diogenes Verlag, 2022). In diesem »erbarmungslosen Thriller, der bis zur letzten Seite fesselt« (WDR3) erzählt der der belarussische Schriftsteller die Geschichte einer Treibjagd auf den jungen Journalisten Anton Quint. Dieser versucht im heutigen Russland, die Wahrheit über einen Oligarchen ans Licht zu bringen, woraufhin ihm von den Handlangern des Oligarchen das Leben zur Hölle gemacht wird – in steigender Intensität bis zum brutalen Buch-Finale und mit parallel verwobenen Geschichten eines Cellisten und eines Fußballers. Dabei steht dem unkorrumpierbaren Journalisten ein weiterer Journalist im Dienst des Oligarchen gegenüber, der skrupellos das Drehbuch zur Vernichtung des kritischen Schreibers entwirft und neben der physischen Verfolgung auch die öffentliche Hinrichtung per Fake-News über die Medien steuert. Sasha Filipenko gelingt so ein dystopisches Portrait der russischen Gegenwart, in der die Wahrheit zunehmend eine Frage von Geld und Macht ist. Aufgeben und das Land verlassen kommt für Filipenkos Romanfigur trotzdem nicht in Frage, auch wenn die Konsequenzen brutal sind.

Sasha Filipenko, geboren 1984 in Minsk, ist ein belarussischer Schriftsteller, der auf Russisch schreibt. Nach einer abgebrochenen klassischen Musikausbildung studierte er Literatur in St. Petersburg und arbeitete als Journalist, Drehbuchautor, Gag-Schreiber für eine Satireshow und als Fernsehmoderator, u.a. für den unabhängigen TV-Sender Doschd, der nach seiner erzwungenen Einstellung im März seit Kurzem wieder aus Lettland sendet. »Die Jagd« erschien 2016 und wurde in Russland für den Big Book Award und den russischen Booker-Preis nominiert. Nach zahlreichen politischen Texten, in denen Filipenko u.a. das belarussische Lukaschenko-Regime kritisierte, und die in Zeitungen wie dem Guardian oder der Süddeutschen Zeitung publiziert wurden, musste der Autor seinen Wohnort St. Petersburg verlassen und lebt seit 2020 im europäischen Exil an wechselnden Wohnorten.

Ab 20:30 Die ukrainische Musikfamilie Böttcher hat zahlreiche Preise internationaler Musikfestivals gewonnen und spielt an diesem Abend ein vielfältiges Repertoire von Paganini bis Piazzolla, von Klassik bis Jazz. GEIGE: André Böttcher / GITARRE: Bogomir Böttcher / GESANG: Julia Böttcher, Gabriel Böttcher


Eine dreiwöchige Veranstaltungsreihe vereint mit Lesungen und Konzerten diasporische Stimmen auf der Waldbühne unter Birkenbäumen.

Selten hat es in Europa eine so große Welle der Solidarität und Offenheit gegenüber Schutzsuchenden gegeben, wie sie aktuell im Kontext des russischen Angriffskriegs in der Ukraine zu spüren ist. Weil wir diese Energie lieben und sie uns für alle wünschen, die ihre Heimat verlassen müssen, präsentiert das Sommerfestival in Kooperation mit der ZEIT Stiftung und dem NDR jeden Donnerstag bis Samstag Autor*innen und Musiker*innen, die von Umbruchzeiten und Vertreibung, von der Suche nach Zugehörigkeit, und von globalen politischen und familiären Verflechtungen erzählen. Jeder Veranstaltungsaben beginnt mit einer Lesung inklusive Autor*innengespräch mit NDR Moderator*innen und geht mit akustischen Konzerten im kleinen Rahmen weiter, die von Anas Aboura und Alexei Volinchik programmiert wurden.

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»Filipenko staffiert diese abscheuliche Hetze mit einer derartigen Eindringlichkeit und einem soliden Gespür für menschliche Deformationsmöglichkeiten aus, dass einem beim Lesen kalt und heiß wird und einem immer wieder der Atem stockt.«

DER STANDARD

Lesung: Oana Solomon (deutsche Stimme)

Gespräch: Sasha Filipenko, Christine Gerberding (NDR, Moderation)

GEFÖRDERT von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius

IN KOOPERATION mit NDR Kultur