





23.01.26 – 23.01.27
Klub Katarakt 21: Samstag
Lange Nacht mit OEIN, Frank Bretschneider, Frauke Aulbert & Lin Chen, Potato Soup + Truffles, META
Die Lange Nacht ist nicht allein aus dem Festival erwachsen, sondern aus einer bereits in den 1990er-Jahren entwickelten Konzertform des Komponist*innenkollektivs katarakt.
Das Konzept ist einfach, birgt aber jedes Jahr neue Überraschungen, denn hier präsentiert das Festival primär Erst- und Uraufführungen der hiesigen Szene sowie internationaler Gäst:innen. Aufgrund der räumlichen Situation mit nur einer Halle gibt es dieses Mal weniger Interpret*innen mit längeren Sets.
Im Zentrum des Abends steht das letzte Konzert des OEIN beim Festival, in dem indigene musikalische Praktiken aus verschiedenen historischen Momenten und Orten zusammengeführt werden, als lebendige Formen, die sich kontinuierlich weiterentwickeln. Das Programm verbindet tradierte Klangkonzepte, Aufführungstechniken und Instrumente mit zeitgenössischen Arten des Hörens und Musizierens. Den Kern der Aufführung bilden akustische Phänomene, die in vielen indigenen Kulturen zu finden sind: Schwebungstöne, Spaltklänge und komplexe geschichtete Klangfarben. Das Konzert ist als immersive Erfahrung gedacht, in der Klang durch den Raum wandert und das Orchester das Publikum umkreist. Hören wird ein Teil der Aufführung und lädt zur Aufmerksamkeit auf subtile Veränderungen und Interaktionen der Musiker*innen ein.
Frauke Aulbert und Lin Cheng aus Hamburg spielen im Rahmen der feministischen Konzertreihe female sonic feast ein Programm für Stimme und Perkussion mit Werken von Ying Wang, Agata Zubel, Annette Schlünz, Katharina Rosenberger und Frauke Aulbert. female sonic feast wurde von Aulbert ins Leben gerufen und stellt die Werke weiblicher und weiblich gelesener Komponierender verschiedener Generationen und Herkunftsländer in den Mittelpunkt und macht deren – in Repertoire und Aufführungspraxis noch immer unterrepräsentierte – künstlerische Positionen hörbar.
Ebenfalls aus Hamburg kommt das Improvisations-Trio Potato Soup + Truffles mit Elena Khurgina (Cembalo), Max Gausepohl (Modularsynthesizer) und Jeanne Lavalle (Fagott). Cembalo und Fagott werden live moduliert und mit synthetisierten Klängen ergänzt. Im gemeinsamen Dialog entstehen daraus vielschichtige improvisierte Soundscapes in einer breiten Palette unterschiedlichster Klangfarben.
Im selben Set tritt auch META aus Darmstadt und Köln auf. Das Klang- und Lichtkunstkollektiv, bestehend aus Karen Fritz, Katharina Hamp und Dirk Dullmaier, ist bekannt für seine immersiven Ambient-, Drone- und Free-Folk-Improvisationen, die sich mit Themen wie Fragilität, Trauma, Unbewusstem und Trance auseinandersetzen.
Die beiden Ensembles wechseln sich mit ihren Performances ab, wobei Zonen der Überlappung entstehen. META werden außerdem eine Klang- und Lichtinstallation im Vorraum der K6 konzipieren, die für die Dauer des Festivals vor und zwischen den Konzerten erfahrbar ist.
Zum Abschluss des Abends stellt Frank Bretschneider (Berlin) sein neuestes Album Pounding in einer audiovisuellen Performance vor. Er erzählt darin von Distanz, Annäherung und Übereinstimmung, in einem kontinuierlichen, sich ständig wandelnden Fluss der Ereignisse. Was in der Clubmusik, für die Bretschneider seit den 1990er Jahren maßgebliche Impulse gesetzt hat, oft als unhinterfragbares Dogma vorausgesetzt wird – der Groove –, erscheint hier prekär, instabil, in Bewegung. Puls und Akzent sind flüchtige Dinge, die immer wieder neu gefunden werden müssen, für kurze, beglückende Momente. Bretschneider entwickelt durch Manipulationen ein Geflecht aus Rhythmen, das im Gegenspiel aus Repetition und Mutation, zwischen klar erkennbarem Metrum und Desorientierung, einen hypnotischen Zustand erzeugt.

