





09.12.26 – 11.12.26
Philippe Cyr / Safia Nolin / Théâtre Prospero
Surveillée et Punie (»Überwacht und Bestraft«)
Revue JeuSurveillée et punie führt eindrucksvoll vor Augen, wie das eigene Sein und der ihm zustehende Platz zurückerobert werden können. Mit dem Fortgang der Inszenierung erleben wir eine Umkehr der Kräfteverhältnisse. Safia Nolin gesteht sich schließlich das Recht zu, zu existieren, unbeschwert zu sein und das Leben zu genießen. Eine überaus wohltuende Erfahrung.
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Die musikalische Performance SURVEILLÉE ET PUNIE (übersetzt: »Überwacht und bestraft«) wirft die drängende Frage auf, welche Bedeutung Meinungsfreiheit hat, wenn sie in Hass und Gewalt umschlägt. Im Zentrum des Stückes steht die bekannte Singer-Songwriterin Safia Nolin selbst, ihr gegenüber ein großer Chor, der sie mit gesammelten Hasskommentaren konfrontiert. Getragen von der Musik und der Kraft des Chors kehren sich die feindlichen Kräfteverhältnisse um. Was als öffentlicher Angriff beginnt, endet mit der Rückeroberung von Stimme, Sichtbarkeit und Raum. SURVEILLÉE ET PUNIE ist eine eindringliche Reflexion über die Gewalt von Worten und zugleich eine bewegende Hommage an die Kraft der Kunst, Hass in Gemeinschaft, Solidarität und Handlungsfähigkeit zu verwandeln.
Safia Nolin aus Québec, die mit ihrer einzigartigen Stimme, die zugleich rau, verletzlich und radikal ist begeistert, hat zusammen mit dem Regisseur Philippe Cyr Tausende Hasskommentare, die online gegen Nolin gerichtet wurden, in eine kraftvolle Performance verwandelt, die den Mechanismen öffentlicher Verurteilung ebenso nachspürt wie der Kraft künstlerischer Selbstermächtigung.
Safia Nolin
Safia Nolin ist eine französisch-kanadische Folk-Pop-Singer-Songwriterin aus Québec. In ihrer Musik verbindet sie persönliche Verletzlichkeit mit einer klaren politischen Haltung und setzt sich mit Identität, Ausgrenzung und gesellschaftlichen Normen auseinander. Als queere Künstlerin hinterfragt sie bestehende Schönheits- und Geschlechterbilder und macht ihre eigene Andersartigkeit zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit. Mit Alben und Projekten wie Seum, UFO Religion, Surveillée et Punie (Watched and Punished) und Reprises Vol. 3 entwickelt sie eine radikale musikalische Sprache zwischen Intimität, Melancholie und Widerstand. Ihre Arbeiten erforschen Themen wie Entfremdung, soziale Kontrolle und Verletzlichkeit und verwandeln persönliche Erfahrungen in universelle Geschichten über Zugehörigkeit, Schmerz und Selbstbehauptung.
Philippe Cyr
Philippe Cyr ist ein kanadischer Theaterregisseur und künstlerischer Leiter. 2012 gründete er das Kollektiv l’Homme allumette, mit dem er neue Theaterformen entwickelt und sich mit den Grenzbereichen menschlicher Existenz, gesellschaftlichen Normen und den Widersprüchen unserer Gegenwart auseinandersetzt. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählen Le iShow (2013), J’aime Hydro (2016), Le poids des fourmis (2019), Corps titan (titre de survie) (2021) und Insoutenables longues étreintes (2023). Seit 2021 ist er künstlerischer Leiter und Co-Geschäftsführer des Théâtre Prospero in Montréal. Seine Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet und international in Kanada, Südamerika und Europa gezeigt.
La PresseSurveillée et punie, eine von den Hassbotschaften inspirierte Inszenierung über die Anfeindungen, denen Safia Nolin über Jahre ausgesetzt war, hat mich ehrlich beeindruckt. Unter der Regie von Philippe Cyr ist aus diesem erschütternden Material etwas von überraschender Schönheit entstanden.
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