Sechs Performende sind in einer Sauna-Situation hinter einer Glaswand. Sie alle sind in unterschiedlichen Positionen und leicht bekleidet.
© Armin Smailovic
Sechs Performende sind in einer Sauna-Situation hinter einer Glaswand. Sie alle sind in unterschiedlichen Positionen und leicht bekleidet.
© Armin Smailovic

Thorsten Lensing

Tanzende Idioten

Tickets:

36 / 24 / 14 Euro (erm. ab 9 Euro, [k]-Karte ab 7 Euro)

Termine

Freitag

29.05.26

19:30

Tickets

Samstag

30.05.26

19:30

Tickets

Sonntag

31.05.26

18:00

Tickets

Montag

01.06.26

19:30

Tickets

Sterben auf der Bühne darzustellen ist immer riskant, oft wird es peinlich. So berührend wie hier gelingt es selten. Apollo sei Dank. Jubel im Saal.

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Peter Kümmel, Die Zeit, 17.01.2026

In »Tanzende Idioten« spielen Ursina Lardi, Karin Neuhäuser, Sebastian Blomberg, André Jung und der Schlagzeuger Willi Kellers Überlebende auf dem Weg zur nächsten Katastrophe. Was sie ausmacht, ist eine aberwitzige Mischung aus Brutalität und Zärtlichkeit, Anarchie und metaphysischen Instinkten, Daseinsschmerz und Lebenslust.

Goldie tut, was sie am liebsten tut: Sie baut ihr Haus um. Ihre Freude dabei ist ebenso ansteckend wie verstörend, denn Goldie ist schwer krank. Sie möchte das Beste geben mit einem Körper, der sie aufgibt. Sie weiß, dass sie im Sterben liegt, gibt es aber nicht gerne zu und plant eine Zukunft, die sie nicht mehr hat. Ihr Kater Apollo genießt ihre zunehmende Schwäche: Endlich kann er ungestört auf ihr herumliegen und endlos vor sich hin schnarchen. Goldie sagt ihm all das, was man Menschen nicht sagen darf. Fürchterliches Zeug!

Plötzlich klingelt es und Goldies frisch verliebter Vater steht mit seiner Geliebten vor der Tür. Die beiden sind mit ihrem Wohnmobil auf dem Weg zum Meer und statten Goldie einen spontanen Überraschungsbesuch ab. Vollkommen unerwartet findet sich der vor Glück beinahe platzende Vater am Sterbebett der eigenen Tochter wieder. Er glaubt sich am Anfang, sie weiß sich am Ende.

In Goldies Zimmer flutet noch einmal die ganze Welt hinein, all das, wovon der Abschied schwerfällt: Wälder, Tiere, das Meer. Im zweiten Teil des Abends wird Goldies Sterben erzählt. Der Lebensraum Erde wird verlassen und aus ihrem Zimmer wird innerhalb von Sekunden der Weltraum.

Ausgangspunkt des gesamten Projekts waren zwei Sätze aus einer Erzählung von Denis Johnson. Er beschreibt darin einen Mann, der im Sterben liegt und Umbaupläne zeichnet. Auf ihm liegt seine Katze und schläft. Von dieser Grundsituation ausgehend schrieb Thorsten Lensing den Text zu »Tanzende Idioten«, in dem er auch immer wieder Formulierungen, Fragmente und Dialoge aus anderen Johnson-Werken aufgreift. Über sich und seine Arbeit sagte Johnson: »Ich würde meine Figuren genauso beschreiben wie mich selbst: Wir sind tanzende Idioten.« Denis Johnson zählt zu den bedeutendsten US-amerikanischen Gegenwartsautor*innen und wird von Kollegen wie Jonathan Franzen, Philip Roth und David Foster Wallace für seine »Gänsehaut erzeugende«, »uneitel direkte« und »brutal komische« Prosa hochverehrt.

Regisseur Thorsten Lensing inszeniert seit Mitte der 1990er-Jahre freie Produktionen, zumeist in Koproduktion mit Theatern und Festivals wie dem Schauspielhaus Zürich, den Sophiensælen in Berlin, Kampnagel Hamburg, dem Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt,dem Düsseldorfer Schauspielhaus, dem Theater im Pumpenhaus in Münster, dem Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg, den Ruhrfestspielen Recklinghausen, dem Schauspiel Stuttgart, den Münchener Kammerspielen und deSingel in Antwerpen. Dabei arbeitet er stets mit einem festen Stamm an herausragenden Schauspieler*innen. Nach Romanbearbeitungen von Fjodor M. Dostojewskis »Die Brüder Karamasow« (Friedrich-Luft-Preis 2014) und David Foster Wallaces »Unendlicher Spaß« (2019 eingeladen zum Theatertreffen präsentierte Thorsten Lensing sein erstes selbst geschriebenes Stück »Verrückt nach Trost« 2022 erstmals bei den Salzburger Festspielen.

Erneut zeigt Lensing sich (…) als Großmeister des Kleinteiligen. Ein theatraler Minimalist und Miniaturmaler. Ein Sammler von Augenblicken, deren Wimpernschlag Weltzeit herstellt.

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Andreas Wilink, Nachtkritik, 08.01.2026

Besetzungsliste in der Reihenfolge ihres Auftritts

Kater Apollo Sebastian Blomberg
Goldie Ursina Lardi
Vivian Phoenix Karin Neuhäuser
Tony André Jung
Bauarbeiter Willi Kellers
Bauarbeiter Benjamin Eggers-Domsky
Neil Armstrong Sebastian Blomberg
Saunameister Benjamin Eggers-Domsky
Schlagzeuger Willi Kellers


Tanzende Idioten von Thorsten Lensing mit Texten von Denis Johnson und Originalzitaten der NASA Apollo Missionen zum Mond Mit Sebastian Blomberg, Benjamin Eggers-Domsky, André Jung, Ursina Lardi, Karin Neuhäuser – Schauspiel und Willi Kellers – Musik Text, Regie Thorsten Lensing Mitarbeit Regie Benjamin Eggers-Domsky Bühne Gordian Blumenthal, Ramun Capaul Kostüme Anette Guther, Nuria Heyck Dramaturgie Dan Kolber, Thierry Mousset Dramaturgische Mitarbeit, Regieassistenz Anne Inken Bickert Produktionsleitung Eva-Karen Tittmann, Philip Decker Technische Leitung Michael Klatt Herstellung Bühne Martina Schulle

Die Hamburger Aufführungen werden realisiert im Rahmen von »Zeit für Welttheater« in Kooperation mit der ZEIT Stiftung Bucerius.

Uraufführung Januar 2026, Berliner Festspiele

Produktion Thorsten Lensing

Koproduktion Berliner Festspielen, Wiener Festwochen, Les Théâtres de la Ville de Luxembourg, Kampnagel Internationale Kulturfabrik Hamburg, Schauspiel Stuttgart, Asphalt Festival Düsseldorf, Kurtheater Baden, Theater im Pumpenhaus Münster (gefördert durch die Kunststiftung NRW) Mit freundlicher Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds Berlin und der Stadt Münster.