Cover des Spielzeitheftes September 2026. Eine Hand hält einen an ein Herz erinnernden Kartoffelsack. Links daneben steht das Motto der Spielzeit »Under Creation. The Show goes on.«
© Büro KLASS
Cover des Spielzeitheftes September 2026. Eine Hand hält einen an ein Herz erinnernden Kartoffelsack. Links daneben steht das Motto der Spielzeit »Under Creation. The Show goes on.«

Es ist soweit: Der für drei Jahre geplante Umbau- und Sanierungsprozess auf Kampnagel beginnt. Mit dem Umbau wird Kampnagel als Produktionshaus architektonisch, baulich und technisch zukunftsfähig gemacht; zugleich wird der Anlass genutzt, Arbeits- und Produktionsbedingungen der freien Künste neu zu denken. The show goes on! Für uns war früh klar: Kampnagel bleibt während des Umbaus geöffnet. Statt in die Pause zu gehen oder in eine Interimsspielstätte auszuweichen, begreifen wir den Umbau als Teil unserer künstlerischen Praxis. Die Baustellenzeit wird Spiel-Zeit, in der sich Kunst, Architektur und Alltag begegnen und neu ordnen. Kurz gesagt: Die Baustellenzeit wird kein Zustand der Unterbrechung, sondern eine künstlerische Transformation. In diesem Sinne stellen wir diese spannende Phase unter den Claim Under Creation – denn es geht um die Qualität eines Schöpfungsprozesses, um die künstlerische Arbeit des »im Werden Bleibens«. Oder nochmal anders: Sie erleben die Kunst, während sie entsteht, und Sie erleben die Ent- stehung, während sie Kunst wird. Sie erleben quasi die Arbeit an unserem offenen Herzen.

PERFORMATIVE BAUSTELLE

Die Baustelle auf dem Kampnagel-Gelände wird als PERFORMATIVE BAUSTELLE selbst zum Kunst-Ort. Hier wird der Bauprozess als Intervention gelesen und entsprechend künstlerisch gedeutet. Als »Architecture in the Making« wird die Kampnagel-Sanierung von Raumlabor Berlin und Migrantpolitan künstlerisch begleitet und zum performativen Ereignis gemacht. Die Baustelle wird als experimenteller Raum verstanden, der Nutzung und Autor*innenschaft neu verhandelt – als Zustand der Instabilität und Möglichkeit.

In der ersten Baustellen-Spielzeit, der »Phase 1« wird die Baustelle als queeres Begehren untersucht; ausgehend von Gordon Matta-Clarks‘ Praxis wird »Perforieren« zur queer-feministischen Methode. Aber auch Künstler*innen der Hamburger Szene entwickeln spezifische Projekte für das Gelände im Wandel, die sich mit Erinnerungen und Geschichte, aber auch mit Materialitäten und Ereignissen beschäftigen.

[K] AND THE CITY

Gleichzeitig verschiebt sich der Blick nach außen. Gemeinsam mit lokalen und internationalen Künstler*innen nutzen wir die Chance, neue Räume zu Protagonist*innen zu machen. Mit [K] AND THE CITY wird die Stadt selbst zur Bühne: durch ortsspezifische Arbeiten, durch Kooperationen mit Hamburger Institutionen und durch künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum. Kampnagel schwärmt aus, sucht neue Allianzen, bringt Kunst dorthin, wo sie mitunter nicht erwartet wird und widmet sich den Themen, die der Stadtraum aufwirft.

GROSSE BÜHNE

Die GROSSE BÜHNE bleibt in der ersten Bauphase bestehen: Die Halle k6 wird weiterhin als zentraler Ort für internationale Gastspiele und große Produktionen bespielt – als Anker im Wandel und als Raum für gemeinsame Erfahrung. Das Foyer wird auf die andere Seite verlegt, ins ehemalige Foyer der k6, das Peacetanbul wird in die Kasse einziehen.

So entsteht eine Spielzeit in drei Bewegungen: zwischen Kontinuität und Aufbruch, zwischen Innen und Außen, zwischen Planung und Experiment. Eine Spielzeit, die den Umbau nicht versteckt, sondern sichtbar macht – als Einladung, den Prozess mitzuerleben.