





15.08.26
Raja Feather Kelly / The Feath3r Theory
Doomers: Time Capsule
Die Arbeit DOOMERS des New Yorker Choreografen Raja Feather Kelly bewegt sich zwischen Performance, Installation und Ausstellung. Ausgangspunkt sind Fragen nach Intimität und Begehren, sozialen Medien, Klimakatastrophe und existenzieller Unsicherheit – und danach, wie diese Themen unsere Körper, Beziehungen und unsere Aufmerksamkeit beeinflussen. Inspiriert von Überlegungen zur zeitgenössischen Zuschauer*innenschaft der britischen Kunsthistorikerin Claire Bishop untersucht DOOMERS, wie sich Aufmerksamkeit im 21. Jahrhundert verändert.
DOOMERS erstreckt sich über die sechs Museen der Kunstmeile Hamburg. Zu jeder Performance gibt es eine 45-85minütige Installation, bei der die Performer*innen in den jeweiligen Ausstellungen als lebende Objekte verstreut sind und flüchtige Skizzen aus den Performances zeigen. Die anschließenden Performances finden jeweils an einem definierten Ort in den Häusern statt (siehe Übersicht), und gehen teilweise wieder in Installationen über.
Jede Performance steht für sich und ist zugleich Teil eines größeren Gefüges. Wer sich zwischen den Häusern bewegt, begegnet Bildern und Bewegungen in immer neuen Zusammenhängen. So entsteht ein Parcours über den flüchtigen Moment des Live-Erlebens, in dem sich die einzelnen Arbeiten gegenseitig kommentieren und schließlich zu einem Ganzen zusammenfügen. Zu den Performance-Stationen gibt es außerdem Tagebucheinträge, die Kellys persönliche Gedankenprozesse widerspiegeln.
TAGEBUCHEINTRAG 626
Ich versuche irgendwie, das sichtbar zu machen oder zumindest anzuerkennen, was wir nicht sehen können. Gleichzeitig habe ich diesen schmerzhaften Eindruck, dass die Welt sich bewusst dafür entscheidet, wegzusehen.
Vielleicht irre ich mich.
Aber falls nicht, wäre es vielleicht das Beste, genau heute eine Zeitkapsel anzulegen – darüber, wie wir alle mit unserem Untergang umgehen.
Hallo Erde, ich bin's, Doomer.
Was du siehst, ist das, was du bekommst.
Aber das, was du bekommst, bin nicht wirklich ich.
Nicht mein wahres Ich.
Nicht alles von mir.
Doch wenn ich dir zeigen würde, wer ich wirklich bin ...
Würdest du dich an mich erinnern?
Erinnerst du dich an mich?
Versprich mir, dass du dich erinnerst.
