2737 ansicht
© Simone Scardovelli
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Tauschbörse der Erinnerungen

Vergangene Termine

Samstag

01.12.12

00:00

12:00 bis 17:30Uhr, Eintritt freiUns trennt von Gestern kein Abgrund, sondern die veränderte Lage» Alexander KlugeIm Rahmen ihrer Uraufführung NUSSKNACKER am 12.12. erforscht die Tanzcompagnie Antje Pfundtner in Gesellschaft das Erinnerungsvermögen des Körpers und befasst sich mit dem choreografischen Spielraum, den die Vorstellungen von einem tradierten Werk und die inszenatorische Aneignung vorgeben.Zur Erweiterung ihrer Recherche zu heutigen Methoden der Vergegenwärtigung, veranstaltet die Compagnie, weit über den Tanz hinaus, eine TAUSCHBÖRSE DER ERINNERUNGEN, bei der Experten zusammenkommen, um interdisziplinär über die heutigen Funktionen und Strategien des Erinnerns zu diskutieren.Im letzten Stück von Antje Pfundtner, VERTANZT, mündete ein auf der Bühne geführtes zwiegespräch über die Unvereinbarkeit von Erinnerungen in ein zwölfminütiges Tanzduett, das sich mit großer Leichtigkeit über das insistierende Gedächtnis der beiden Tänzerinnen hinwegsetzte. Aus dem nicht zu erreichenden Konsens zwischen der Aussage «Ungefähr so muss sie es gemacht haben» und der Antwort «Ich erinnere das anders» wurde eine gemeinsame Choreografie, deren Dynamik jedes auf Richtigkeit beharrende Erinnern im Hier und Jetzt der Bewegung vergessen machte.Vorweg die Erinnerung an eine Inszenierung, um zur Kernfrage des Symposiums zu gelangen: Wie bewegen wir uns zwischen dem Vergangenen, dem Gegenwärtigen und den Zukunftsprognosen? Und wie können wir uns auf unsere Erinnerungen stützen, wenn sich uns bereits die eigene Gegenwart oftmals entzieht? Heutzutage wird, hinsichtlich der weit verbreiteten Frage nach unserem Verhältnis zur Geschichte, das Erinnern zunehmend zum populären Thema. Der Ruf nach Erinnerungskultur wächst, und mit ihm drängt sich die Diskussion auf, in welchem Gedächtnisraum wir agieren. Während die Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges aussterben, tritt an die Stelle individueller und unmittelbarer Erinnerung eine kulturelle Form der Memoria. Gleichzeitig wachsen Generationen heran, die sich mit den Anforderungen und den Folgen der Modernisierung konfrontiert sehen. Der tiefgreifende Einschnitt durch Globalisierung, Klimawandel und Finanzkrise desorientiert und fördert die Sehnsucht nach Rückbesinnung und Nostalgie.Welche Form der Orientierung braucht also die Gegenwart, um eine Grundlage für gegenwärtiges und zukünftiges Handeln zu schaffen, und welche Rolle spielt dabei das Erinnern? Die Tauschbörse der Erinnerungen versammelt Kulturtheoretiker, Gedächtnisforscher, Geschichts- und Tanzwissenschaftler, Künstler und weitere Experten, um Modelle sozialer, politischer und kultureller Erinnerungsmethoden zu diskutieren und in unterschiedlichsten Formaten zu erproben. Wie werden wir aufgefordert, zu erinnern? An wen geht der Auftrag? Wohin mit den Mechanismen der Idealisierung? Wo werden Erinnerungen abgelegt? Und was ist davon unser Erbe?Die TAUSCHBÖRSE ist kein Symposium im klassischen Sinne. Ihr Ziel ist es, Erinnerungen und Methoden des Erinnerns auszutauschen. Ob durch Einzelgespräche, Einzelinterviews, Vorträge, Diskussionen, Workshops, ein gemeinsames Essens oder ein Julklapp der Erinnerungen, die TAUSCHBÖRSE stellt Gedächtnisräume zur Verfügung, die von 12h bis 17.30h für alle Interessierte offen stehen!EINZELGESPRÄCHE Prof. Dr. Isa WortelkampJuniorprofessorin der Tanzwissenschaft an der FU Berlin.Isa Wortelkamp erforscht die Darstellung von Bewegung in der Tanzfotografie hinsichtlich ihrer Auswirkungen für eine Bildtheorie und Geschichtsschreibung des Tanzes. Sie bietet Einzelgespräche an und rekonstruiert Bewegung aus der Tanzfotografie durch gemeinsame Bildbetrachtung.Patricia PaweletzSystemische Familientherapeutin und Autorin in HamburgPatricia Paweletz, ursrpünglich vom Theater kommend, verbindet systemische Therapieansätze mit kreativen Methoden, um eine sinnliche Annäherung an die persönliche Biografie zu ermöglichen. Für die Tauschbörse erarbeitet sie mit ihren Besuchern deren Biografien mit selbstgewählten thematischen Schwerpunkten in Form von Zeitleisten, Bildern von Lebenslinien und Symbolaufstellungen. Maria Magdalena LudewigRegisseurin in Hamburg und BerlinMaria Magdalena Ludewig arbeitet derzeit an ihrem nächsten interdisziplinären Projekt, das im Mai 2013 auf Kampnagel gezeigt wird und widmet sich den Erinnerungen alternder Menschen. Durch verschiedene Strategien (Community-Arbeit, Archivierung und Bereitstellung von Wissen/Erfahrung im öffentlichen Raum und Internet, theatralische Zuspitzung des Themas als Musiktheater-Inszenierung mit Senioren) werden Geschichten von Menschen im letzten Abschnitt ihres Lebens veröffentlicht. Hierzu führt Maria Magdalena Ludewig auch bei der TauschbörseAudiointerviews mit Menschen über 60, die ihre Erfahrungen und Ratschläge an die nachfolgenden Generationen weitergeben möchten.Anmeldung über interview@machina-recordatio.deWORKSHOPS UND ARBEITSGRUPPENTänzer der Compagnie Antje Pfundtner in Gesellschaft führen mit einem Workshop an Techniken des Körpergedächtnisses heran. Ulrike Martzineksystemische Psychotherapeutin und Mediatorin in Hamburg Ulrike Martzinek bietet eine Stammbaumaufstellung in Gruppenarbeit an, um die persönliche Biografie in einen historischen Kontext einzuordnen. Julia WehrenDozentin am Institut für Theaterwissenschaft BernJulia Wehren erforscht die Geschichtsschreibung im Tanz sowie den choreografischen Spielraum zwischen Original und Revival. Sie bietet einen Workshop zur choreographischen Praxis als andere Form der Geschichtsschreibung an. VORTRÄGE UND DISKUSSIONENMats StaubKünstler und Gründer des Projektes «Erinnerungsbüro» in Basel und ZürichMats Staub spricht mit der Choreografin und Gastgeberin der Tauschbörse Antje Pfundtner über ihr Gedächtnis und umgekehrtProf. Dr. Bodo von BorriesGeschichtsdidaktiker in HamburgBodo von Borries erforscht Formen und Ziele historischen Lernens . Er befasst sich mit den Grafiken von A. Paul Weber und widmet sich der Geschichtskulturellen/ erinnerungspolitischen Streitfrage um die politischen Absichten des Künstlers im NS Regime.Prof. Dr. Gesa ZiemerProfessorin für Kulturtheorie und kulturelle Praxis an derHafenCity Universität HamburgGesa Ziemer spricht über Denkmäler als Choreografien des Erinnerns und diskutiert, wie Erinnern sich in Bewegung zeigt, bzw. wie Bewegung das Erinnern verändert.Eva Kristin SteinDesignwissenschaftlerin und Industriedesignerin in BerlinEva Kristin Stein interessiert sich für materielle Wissens- und Erinnerungskulturen und untersucht Handlungs- und Kommunikationspraktiken von DesignerInnen. Sie widmet sich dem Wissen und dem Gedächtnis, die sich im Objekt verstecken und diskutiert die kulturellen Praktiken des Designs.Dr. Almut Leh Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Leiterin des Archivs des Instituts für Geschichte und Biografie «Deutsches Gedächtnis» an der FernUniversität in HagenHerausgeberin von «BIOS - Zeitschift für Biographierforschung, Oral History und Lebensverlaufsanalysen». Almut Leh spricht über die Methoden der Oral History und der Archivierung lebensgeschichtlicher Interviews.Michaela Melián Künstlerin und Professorin für zeitbezogene Medien an der HfbK in HamburgMichaela Melián ist an diesem Tag live mit der Tauschbörse geschaltet und spricht über ihr Audiokunstwerk «Memory Loops" als virtuelles Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus.Prof. Hans-Georg NehenChefarzt des der geriatrischen Abteilung des ElisabethKrankenhaus in EssenHans Georg Nehen spricht mit der Theater-Regisseurin Maria Magdalena Ludewig über den Stellenwert des Vergessens in der Gesellschaft und über die Entwicklung der Demenz im Zusammenhang mit dem demographischen Wandel.Dr. Nicole HaitzingerTanzwissenschaftlerin an der Universität in SalzburgNicole Haitzinger, die sich interdisziplinär mit analytischen Methode der Rekonstruktion und des Re-Stagings befasst, stellt Fragen zum Verhältnis von Retrospektive und Zeitgenossenschaft, die sie in einer großen abschließenden Runde bespricht.Madeline RitterGründerin und Leiterin des Tanzfond Erbe Projektes / Kulturstiftung des BundesMadeline Ritter und die Mitglieder der Compagnie archivieren die Erinnerungen des Tages vor Ort: Sie sammeln und streuen die aufkommenden Fragen und Gedanken zu Erinnerungspraktiken und zu den Methoden der Weitergabe.PERSÖNLICHE ERINNERUNG MITBRINGENWir möchten Sie bitten, einen persönlichen Gegenstand mitzubringen, den Sie gerne an diesem Tag weiter verschenken möchten – ob Foto, Kleidungsstück oder Immaterielles, jede Erinnerung ist willkommen!--------------------------------------------------------------------Die TASUCHBÖRSE DER ERINNERUNGEN ist eine Veranstaltung VON Anne Kersting und Antje PfundtnerMIT Jenny Beyer, Verena Brakonier, Dani Brown,Francis Christeller, Michael Hess, Anne Kersting, Sabine Kohlstedt, Yvonne Marcour, Antje Pfundtner, Matthew Rogers, Regina Rossi, David Vossen, Sven Kacirek, Katharina von Wilke, Theresa Willeke und den Gästen der CompagniePROJEKTKOORDINATION Lina KlingebeilEin Projekt von Antje Pfundtner in Gesellschaft undDepArtment in Koproduktion mit Kampnagel Hamburg. Gefördert von: TANZFONDS ERBE – EineInitiative der Kulturstiftung des Bundes und Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg. Mit der freundlichen Unterstützung von K3 - Zentrum für Choreographie / Tanzplan Hamburg.Dauer 12:00 bis 17:30UhrEintritt frei. Anmeldung erforderlich an der Kasse unter 040 270 949 49.: