Spielzeiteröffnung

Spielzeiteröffnung 2025/26

Legends of the Avantgarde - REWRITE, RECLAIM, RESIST!

Vor drei Jahren feierte Kampnagel Jubiläum, »40 Jahre Widerstand« und »40 Jahre State of the Arts«. Die kommende Spielzeit ist die letzte Kampnagel-Spielzeit as we knew it – anschließend startet ein großer und notwendiger mehrjähriger Umbau- und Sanierungsprozess bei laufendem Betrieb. Unter Einbeziehung der Ideen vieler Künstler*innen und Kampnagel-Mitarbeitenden wird die Vision eines Produktionshauses für die nächsten 40 Jahre in die Tat umgesetzt, das Haltung bewahrt, das die Geister nicht austreibt, die eigene Geschichte mitdenkt und in die Zukunft einschreibt. In der kommenden Spielzeit möchten wir die stärkende Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft spürbar machen. Die Vergangenheit erinnern und wertschätzen, ohne Konservatismus. Zukunftsgewandt sein, ohne zu vergessen. Erinnerungskultur muss immer auch von der Zukunft handeln, Legenden können auch mit dem Blick nach vorn erzählt werden – und so den entscheidenden Unterschied zu rechten Narrativen bilden, denen es im 80. Jahr nach Ende des 2. Weltkriegs mehr denn je beharrlich andere Erzählungen entgegenzusetzen gilt. Die Spielzeit-Eröffnung widmet sich in unterschiedlichen Formen, kritisch wie bestärkend, den etablierten und noch zu etablierenden »Legenden der Avantgarde«, den Traditionen des Progressiven, und einem antifaschistischen Kanon. »Rewrite, reclaim, resist!« verstehen wir als Aufforderung und Anspruch an die Künstler*innen und auch als Ausdruck unserer Verantwortung ihnen gegenüber. Take part! Die Spielzeiteröffnung beginnt auf der großen Bühne mit THE ROMEO der New Yorker Tanz-Ikone Trajal Harrell, der die Idee eines epochenübergreifenden Tanzes choreografiert. Die Gruppe La Fleur beschäftigt sich in PHANTOM DER OPERETTE mit dem Austausch zwischen europäischer und außereuropäischer Kunst – eine Geschichte von Exil und Vertreibung – wie immer aus postkolonialer Perspektive erzählt. Die Stadtkuratorin Joana Warsza konzipiert eine Reihe, die sich mit der Geschichte und Aktualität antifaschistischer Gegen-Denkmäler beschäftigt, und präsentiert zwei Veranstaltungen auf Kampnagel – u.a. mit der Künstlerin Candice Breitz. Ein Kollektiv internationaler Szene-Stars um die Choreografin Tamara Allegre setzt sich in der kraftvollen Choreografie 1GUH WATCH mit der Dancehall-Kultur als sozialer Bewegung, Form des Widerstands und Identität auseinander und fragt nach dem Platz Schwarzer sozialer Tänze in weißen westlichen Institutionen. Mit Claudia Rankine und Vanessa E. Thompsen teilen zwei hochkarätige Denker*innen in jeweils einem Beitrag zum Thema »Gegen-Kanon antifaschistischer Theorie und Praxis« ihre Expertise und Perspektive. Die Hamburger Künstlerin Zandile Darko lädt ein zu weiteren TAXI DARKO-Fahrten und teilt die ungehörten (Familien-)Geschichten einer deutschen Community zwischen Ghana und Deutschland. Das brasilianische Kollektiv MEXA veranstaltet in THE LAST SUPPER eine Bankett-Performance über Abschiede, geprägt von Gewalterfahrung und Marginalisierung queerer Personen. Die Ausstellung QUEER LIFE FREEDOM des iranischen Exil-Künstlers Ashkan Shabani verhandelt Zerbrechlichkeit von Identität und stille Taten des Widerstandes und wird von einem Gesprächsformat und zwei Workshops begleitet.

Programm