Auf einer Bühne stehen drei Sänger*innen an Mikrofonen und im Halbkreis um sie herum spielt ein Orchester. Auf einer Leinwand hinter ihnen wir ein Film projiziert in dem ein bärtiger Mann in orangenem Licht in erschrocken in die Kamera blickt.
© Julia Kneuse
Auf einer Bühne stehen drei Sänger*innen an Mikrofonen und im Halbkreis um sie herum spielt ein Orchester. Auf einer Leinwand hinter ihnen wir ein Film projiziert in dem ein bärtiger Mann in orangenem Licht in erschrocken in die Kamera blickt.
© Julia Kneuse
Theater / Film / Musiktheater

Strunz & Kompliz*innen / Ensemble Resonanz

Orfeo!

Die Menschheit hat die Erde in ein Totenreich verwandelt. Die Böden sind unfruchtbar, die Naturgewalten unbezähmbarer als je zuvor. In dieser Welt ohne Hoffnung begibt sich Orpheus auf die Suche nach Eurydike und findet eine Gemeinschaft, die dem Abgesang der Älteren trotzt.

Tickets:

32 / 24 / 14 Euro (erm. ab 9 Euro, [k]-Karte ab 7 Euro)

Vergangene Termine

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Freitag

10.03.23

20:00

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Samstag

11.03.23

20:00

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Sonntag

12.03.23

20:00

Die Künstler*innengruppe Strunz und Kompliz*innen hat eine Neufassung der »ersten Oper der Geschichte« erarbeitet, die den Stoff aus heutiger Perspektive betrachtet. So gibt es kein göttliches Weltgefüge mehr, keine unsichtbaren Kräfte, die die Geschicke der Menschen leiten und den Helden am Ende seiner tragischen Reise in den Himmel heben. Denn es sind die Menschen, die die Erde, ihren Schutz- und Lebensraum, in einen unwirtlichen Ort verwandelt haben.

In dieser Lebenswelt, in der die Menschen armselig und allein umherstreifen, wirkt die Liebe von Orpheus und Eurydike wie ein Zauber. Doch ihr gemeinsames Glück ist nur von kurzer Dauer. Aristaios, der Bienenzüchter, lauert Eurydike auf und versucht, sie zu vergewaltigen. Auf der Flucht vor ihm entdeckt sie einen geheimen Gang, der sie an einen unerwarteten Ort bringt. Ein Orten, an dem die Natur noch grün und saftig ist und die Menschen einfach, aber in harmonischer Gemeinschaft miteinander leben. Es sind alles Kinder, die sich von den Idealen alter Generationen gelöst haben und bereit sind, die Geschichte neu zu schreiben. Frei und sorglos findet sich auch Eurydike bald selbst in der Gestalt eines jungen Mädchens wieder. Und sie wird diese Welt nicht wieder verlassen wollen, wenn Orpheus sie findet und dazu drängt, zurückzukehren.

Mit epischen Filmbildern erzählt die Hamburger Regisseurin Sandra Strunz die Geschichte von Orpheus, der es Kraft seines Gesangs vermochte, die Naturgesetze zu brechen und selbst die göttliche Ordnung infrage zu stellen, als eine Geschichte des Scheiterns alter Ideale. In dieser Überschreibung des antiken Mythos steht nicht das Totenreich dem Leben im Diesseits gegenüber, sondern die Möglichkeit einer besseren Welt dem Status Quo. Eine junge Generation opponiert mit ihren radikalen Ideen gegen die Ideen der Vergangenheit, so wie aktuell junge Klimaaktivist*innen durch massive Proteste gegen verpasste Chancen in der Klimapolitik stellen.

Den Sound dazu liefern das Ensemble Resonanz mit einer Banda aus Blechbläsern und drei hochkarätige Sänger*innen unterschiedlichster musikalischer Herkunft. Es entsteht eine Klangwelt, die die barocke Vorlage in pulsierendes, zeitgenössisches Musiktheater verwandelt.

Gleichzeitig ist »Orfeo!« ein Experiment. Denn auf der Bühne trifft nicht nur ein interdisziplinäres Ensemble aufeinander: hier trifft Film auf Oper.
Gedreht vor dem eindrücklichen Panorama der sogenannten Folgelandschaften des Kohleabbaus in der Lausitz und im Wendland, einem Ort der sowohl als Atommüll-Endlager als auch Ort für das Erproben alternativer Lebenskonzepte bekannt ist, wird der antike Mythos in eine eklektische, bildstarke Erzählung überführt.

Hollywood-Schauspieler Clemens Schick spielt den Orpheus als Vexierspiel zwischen verführerischem Helden und scheiternden Antipoden. Zart und gleichzeitig stark und humorvoll ist die Eurydike der bekannten Film- und Fernseh-Darstellerin Odine Johne. Ihr kindliches alter Ego wird gespielt von Helene Geigenberger, die Teil einer Gruppe von Kindern und jugendlichen Klimakativist*innen ist, die das Projekt durch ihre Visionen mit geschärft hat.


Konzept & Recherche: Strunz&Komplizinnen Idee, Künstlerische Leitung, Regie: Sandra Strunz Ausstattung: Sabine Kohlstedt Musikalische Leitung, Arrangements, Musiker Banda: Karsten Süßmilch, Rainer Süßmilch Bildgestaltung: Leon Daniel Konzeptberatung: Gustav Strunz Ton Lausitz, Sounddesign: Elias Lenzen Ton Wendland: Ansie Kabore Mix, Mastering: Thomas Schöttl Regieassistenz: Maren Schäfer, Dominic Stermann Ausstattungsassistenz: Xenia Glauner, Magda Geigenberger Kamera-Assistent Lausitz: Janne Rieck Technik-Assistent Wendland: Marinus Tiede Dramaturgie, Produktionsleitung: Julia Warnemünde Produktionsleitung: Raphaela Rößler Projektleitung Ensemble Resonanz: Franziska Rademacher Mitwirkende im Film: Odine Johne, Clemens Schick, Gustav Strunz, Ben Daniel Jöhnk, Helene Geigenberger, Karsten Süßmilch, Rainer Süßmilch Kinder und Klimaaktivist*innen: Malou Himmel, Lissi Himmel, Noah Himmel, Yona Himmel, Nelio Kallen, Sam Kallen, Jola Oldendörp, Beppo Süßmilch, Greta Süßmilch, Mathilde Süßmilch, Franziska Tiede, Juli Meins, Romy Kröner, Kaspar Jöhnk, Lhasa (Hund) und die Feuerwehren des Amtes Plesser Zusätzliche Voiceover: Jakob Süßmlich und Karl Süßmilch Mitwirkende Live: Christian Zehnder, Filippa Gojo, Eva Resch, Gustav Strunz, Karsten Süßmilch, Rainer Süßmilch, Henning Nierstenhöfer Ensemble Resonanz: Juditha Haeberlin (Violine), Skaiste Dikšaitytė (Violine), Maresi Stumpf (Viola), Saerom Park (Violoncello), Benedict Ziervogel (Kontrabass), Vocaliter Hamburg unter Ltg. v. Fabian Bamberg Dank an: Lutz Freytag und Familie, Birgit Jeschke, Petra Wetzel, Alexandra Süßmilch, Philipp Dehnerdt, Imke Geest und Thomas Kerstan-Geest, Cinegate, Electric-Sun, das Dorf Hohenleipisch und der Eigentümergemeinschaft Kniepenkrug, Wendland

In Koproduktion mit Kampnagel

Gefördert durch die Kulturbehörde Hamburg – Elbkulturfonds, Rudolf Augstein Stiftung, Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. und die Wilhelm Fraenger Gesellschaft e.V.