Schwerpunkt

Still Openhaus

Offenherzig hat sich Kampnagel zuletzt 2017 dem »Jahrhundert der Migration« gestellt, erkannte Zirkulation, Bewegung und Migration als neuen Normalzustand an und erklärte sich selbst zum OPENHAUS. Sechs Jahre sind nun ins Land gestrichen, und was hat sich migrationspolitisch geändert? Vieles! Doch leider wenig zum Besseren. Die von dem Medienhaus correctiv aufgedeckten Pläne der neonazistischen identitären Bewegung, an denen auch hochranginge Mitglieder von AfD und Werteunion beteiligt waren, hat deutschlandweit massive Proteste und eine Vielzahl beeindruckend großer Demonstrationen gegen Rechtsextremismus hervorgerufen. So wichtig diese breite Positionierung auch ist, hat sie doch einen bitteren Beigeschmack. Fast zeitgleich wurde ein neues Einbürgerungsrecht verabschiedet, welches zwar einige Fälle erleichtert, aber für Alleinerziehende, behinderte Menschen, Auszubildende, oder anderen Empfänger*innen staatlicher Zuschüsse weitere Hürden aufbaut. Mit dem ebenfalls im Januar verabschiedeten »Rückführungsverbesserungsgesetz« wird humanitäre Hilfe kriminalisiert und der Abschiebeprozess für schutzsuchende Menschen dank erweiterter polizeilicher Durchsuchungsrechte, verlängerter Gewahrsamsaufenthalte und nächtlicher Abholung weiter verhärtet. Geflüchtete werden gegeneinander ausgespielt und weiterhin werden auf dem Rücken aller Migrant*innen Ängste geschürt. Diesen Dissonanzen begegnet Kampnagel mit dem konsequenten Recycling des Claims von 2017 und widmet die Saison 2023/24 erneut den Strategien für eine migrantpolitische Gesellschaft. Getreu dem Spielzeitmotto STILL OPENHAUS bringt der gleichnamige Themenschwerpunkt vom 04. bis 06. April Künstler*innen zusammen, die sich mit Realitäten von Migration und Asyl auseinandersetzen, die der Gewalt und Isolation entgegentreten, die Freude als Widerstand feiern. Der Choreograf und bildende Künstler Arkadi Zaides legen in NECROPOLIS ein Archiv aus Körpern an, denen Europa nur als Leichen Einlass gewährt hat. Der Künstler Basel Zaraa erzählt mit der interaktiven Installation DEAR LAILA die palästinensische Erfahrung von Vertreibung und Widerstand anhand der Flucht-Geschichte seiner Familie. Bei der COME_P_EAT SERIES erobert das beliebte Migrantpolitan-Format COMMUNITY COOKING die Bühne und feiert großes Finale. Der CHOIR OF THE UNCIVILIZED VOICES, initiiert von der Hamburger Künstlerin und Kuratorin Mable Preach, lädt das Publikum zum Mitsingen ein. Let‘s openhaus and open hearts together!